Archive for the ‘Unterwegs’ Category

Multiplikatoren

Freitag, März 13th, 2009

Der Verteidigungsminister bekommt Drohungen, manchen passt wohl nicht, dass er auch nur zwei der Pläne herausgerückt hat. Wofür er von anderer Seite nun mit einer Anklage rechnen muss, da er ja einer höchstrichterlichen Anordnung nicht nachgekommen sei. Außerdem heißt es nun, dass die Originale vernichtet seien. Und die braucht es wohl, damit sie vor Gericht eine Rolle spielen können. Der Inhalt jedenfalls ist bekannt. Seit längerem schon. Vom Richter, jenem, der die Annahme verweigerte, konnte man zwischenzeitlich als Begründung lesen: Beim Verteidigungsminister seien sie sicherer aufgehoben.

Wir jedenfalls sind inzwischen im Quiché angekommen. Für die vielleicht letzte Vorführung. Die Katechetenvereinigung hatte uns Zugang zu Material gegeben, welches nun auch im Film zu sehen ist. Aufnahmen beginnend nur wenige Stunden nach dem Massaker. Die Fahrt war ein etwas elendes Hin- und Hergeschaukel mit dem Bus auf seiner Strecke die Täler hinauf und die Berge hinunter. Und das Hotel, in dem wir aufschlagen, hält uns wohl für Pestizid resistent: (mehr …)

Essens- und Lebensrythmen

Donnerstag, März 12th, 2009

Dieses Land und ich werden wohl nur eingeschränkt Freunde werden können; so leid es mir tut: Ich kann keine Tortillas mehr sehen! Sie schmecken mir nach Papier und nach Pappe. Da hilft auf Dauer kein frischer grüner Chilli, kein roter und auch keine extra scharfe Paste oder mit was sie sonst so eingestrichen werden können. Tun auch „unsere Dörfler“ reichlich. „Haben wir halt Gastritis, aber das muss sein“, wurde mal gewitzelt. Trotzdem, die geschmackliche Grundierung bleibt. Wobei ich ja sagen muss, dass es entgegen der Erwartung – auf Basis früherer Erfahrungen – tatsächlich nur ein, maximal zwei Mal Bohnen mit Tortilla gab (sonst war das für gewöhnlich zu Mittag, Abendessen und Frühstück).

Ob es an allgemein größerer Nahrungsvielfalt lag? Auch größerem Wohlstand vielleicht? Ich erinnere mich heute noch an die Einladung von Martin, während des Drehs. (mehr …)

Strom

Mittwoch, März 11th, 2009

Kein Spanisch, dafür reichlich Husten – also klemme ich mir die offizielle Zeremonie; was wohl ein Fehler ist, denn die Straße vor dem Internet-Cafe werden samt den beiden Gehsteigen nun schon seit Minuten üppig von einer vorüberziehenden Menschenmenge gefüllt. Sie bewegt sich Richtung Innenstadt und befördert reichlich Transparente und Plakate.

Sicherheit reichlich absurd

Sonntag, März 8th, 2009

Ich hatte vergessen, dass es in dieser Stadt um diese Uhrzeit nicht allgemein üblich ist, sich außerhalb der eigenen Wände aufzuhalten; und das nicht nur dann, wenn mann oder frau wie Estela arbeitsbedingt mit regelmäßigen Todesdrohungen lebt (sie kam etwas später zur Vorführung und ging ging mit dieser Erklärung etwas früher).
„Andreas fuhr da vorn um die Ecke rum und plötzlich gab es laute Schreie und seither ist er nicht wieder aufgetaucht“. Das erzählte Nati, als wir nach Abbau und letzten Gesprächen aus der Lobby des Hotels gehen. Sie sollte seit mindestens zwanzig Minuten bei Andreas im blauen Jeep sitzen. Zusammen mit Donna Manuela. Die steht jetzt neben ihr.

Jetzt watschel ich also wie ein Pinguin in seiner Gruppe der erwähnten Ecke entgegen. (mehr …)

Reiseentspannung

Freitag, März 6th, 2009

Am Donnerstag also wird der Präsident auf dem Platz vor dem Präsidentenpalast sagen, dass es in Guatemala einen Genozid gegeben hat. So wie es in dem Bericht der Wahrheitskommission steht. Diesen hatte sein Vorgänger damals nicht offiziell annehmen wollen. Die Vorführung unseres Filmes hat nun auch einen Ort. Und eine Zeit. Auch wenn die auf den Einladungen genannte noch mal eine andere ist. Na ja. Schade auch, dass wir es nicht in den Präsidentenpalast geschafft haben. Und nicht ins Nationaltheater. Wir werden in einem noblen Hotel sein. Dort,.wo vor nicht nicht allzu langer Zeit Frau in Tracht abgewiesen wurde. Sie prozessierte und bekam Recht. Nun also holt sich das Hotel die mit dem Grundsatzurteil verbundene hohe Entschädigungszahlung wieder: In dem es seine Räume vermietet; vor allem an solche Veranstalter, die den Staat entsprechend verändern wollen. Oder macht es keinen Sinn, das Ganze so zu sehen?

Wir sitzen in den Räumen von SEPAZ. Um die Versprochenen Schecks abzuholen, das Geld für die Reise unserer BegleiterInnen aus dem Dorf. Als die ausgehändigt sind, entspannen sich die Gesichter. Die Verunsicherung und das einigermaßen absurdes Rennen darum, unsere Rundreise möglichst billig zu gestalten, haben nun also eine Art Ende. (mehr …)

Wandel

Mittwoch, März 4th, 2009

Es gibt ja so Momente. Nachdem sich mein Verhältnis zu meinem Magen und seinen Aktivitäten entspannt hat, ist nun also Husten und dicke dichte Nase angesagt. Bis ich endlich mitten in der Nacht aufwache und schnäuzen kann. Möglichst leise, damit ich die beiden anderen in unserem 3-Bett-Zimmer nicht wieder wecke. Endlich kommt was raus. Als ich hingucke, sehe ich im Mondlicht allerdings schwarz. Buchstäblich. Aufhören tut das Nasenbluten dann nach einer viertel Rolle verbrauchten Klopapiers.

Glocken rufen

Dienstag, März 3rd, 2009

Rabinal. Alle werden in Auto gepackt, um vom Besprechungsort zur Vorführung zu fahren. Bis auf drei. Die ausgerechnet wissen weder einzeln noch zusammen wissen, wohin sie eigentlich müssen. Dass einer von Ihnen kein Spanisch kann, das macht die Sache auch nicht besser. Dass dann ausgerechnet ich mich traue einen Passanten anzusprechen, um nach dem Weg zu fragen, dann aber wieder doch.

Als wir ankommen läuten die Kirchenglocken. Um die Gläubigen zum Gebet zu rufen. In gewisser Weise. Nur das es keine Cineasten sind, die kommen, sondern Genozidüberlebende. Die sich ansehen wollen, fühlen, wie andere es überlebt haben: Die allgegenwärtige Vergangenheit.
Als wir anfangen, ist die Kirche voll, darunter wieder viele Kinder, Mütter mit Säuglingen und ganz kleinen sind es dann auch, die zur Hälfte etwa gehen, wir sind viel zu spät dran. Und dann gehen noch ein mal ein paar, als die Exhumierungsszene beginnt. Der Typ im Rapper5-Style, original mit weißem Feinripp und Wollmütze bleibt. So einen gab es auch schon in Aurora.
Kaum ist der Abspann zu Ende, ist die Kirche dann leer. Wir sollen uns nichts denken. Es wäre einfach schon zu spät gewesen. Na ja. Wir haben ja auch etwa 3 bis 4 Stunden nach der ursprünglich ausgemachten Zeit angefangen. Planungen in Guatemala…

nebensachen

Freitag, Februar 27th, 2009

die gastfreunschaft ist beeindruckend. der mangel an touristisch verwertbaren einrichtungen allerdings auch. mich zumindest stresst der toilettengang. reichlich.

zuerst die treppe hoch – blocksteine übereinander gelegt. die erste stufe mit zweien ist stabil, die nächsten wackeln aber schon recht heftig. und dass die nacht eine dunkle ist, das macht es nicht gerade leichter. oder vielleicht doch.

da ist das klo selbst. für breitärsche wie mich zu eng bemessen. von freiem fall in die unter mit befindliche düngerproduktionsstaette kann jedenfalls keine rede sein. schon deshalb nicht weil ich durchfall und blähungen habe. die maden die ich im taschenlampenlicht uber den boden schleichen sehen. na ja. ich war mal angler. außerdem alles nichts, was ein besuch im bad nicht aendern kann.

wenn nur dieser sichtschutzvorhang so nicht wäre: eine auseinander geschnittene plastetüte, festgemacht an einem baum mit grossen, spitzen stacheln. und die steine und holzteile, die einen pfad durch den schlamm bilden, finde ich nicht so recht im dunklen. trittsicher schon gleich gar nicht.

fast schon

Freitag, Februar 27th, 2009

Wir passieren die Brücke über die Schlucht, welche die Stadt fast zweiteilt. Geier zirkeln über den Abhängen. Doch es sind weniger geworden. Fast ist die Mischung aus Mülldeponie und Wellblechsiedlung nun schon ein malerisches Viertel. Einige der Häuser, welche die Felsabstürze überziehen wie Flechten, sind nun zumindest aus Stein. Es ist etwa 6 Uhr Morgens. Wir sind nun unterwegs nach LA AURORA.

Vorführtechniken, Grashüpfer und Transporthindernisse

Samstag, Februar 21st, 2009

Es gab ja noch ein Festival, kein Filmfestival, sondern ein Kunst- und Kulturfestival. Kein Hindernissgrund für etwaige andere dinge also. Vor allem nicht, weil Alfonso Porres mit seinem Wagen kurz hinter der Stadtgrenze liegen geblieben ist. Kein Film rechtzeitig bei der Programmierungskommission. Kein Film auf dem Festival.

„Geht das Bild eigentlich auch größer?“ fragt Andreas. (mehr …)