Archive for the ‘Martin’ Category

Essens- und Lebensrythmen

Donnerstag, März 12th, 2009

Dieses Land und ich werden wohl nur eingeschränkt Freunde werden können; so leid es mir tut: Ich kann keine Tortillas mehr sehen! Sie schmecken mir nach Papier und nach Pappe. Da hilft auf Dauer kein frischer grüner Chilli, kein roter und auch keine extra scharfe Paste oder mit was sie sonst so eingestrichen werden können. Tun auch „unsere Dörfler“ reichlich. „Haben wir halt Gastritis, aber das muss sein“, wurde mal gewitzelt. Trotzdem, die geschmackliche Grundierung bleibt. Wobei ich ja sagen muss, dass es entgegen der Erwartung – auf Basis früherer Erfahrungen – tatsächlich nur ein, maximal zwei Mal Bohnen mit Tortilla gab (sonst war das für gewöhnlich zu Mittag, Abendessen und Frühstück).

Ob es an allgemein größerer Nahrungsvielfalt lag? Auch größerem Wohlstand vielleicht? Ich erinnere mich heute noch an die Einladung von Martin, während des Drehs. (mehr …)

Abschiedsrunde

Samstag, Februar 28th, 2009

Alfonsos Bruder kommt mit einer ziemlichen Beule vom Feld, das Gesicht auf der linken Seite recht zerkratzt.

Wir haben mit unserer Abschiedsrunde begonnen und sitzen bei den Eltern von Alfonso. Das Gespräch dreht sich gerade darum, welches Tier es eigentlich ist, das Nachts im Mais den Schaden verursacht. Es knickt die Kolben um, frisst sie an, dann geht es weiter zum nächsten. Das Tier hat eine Spitze Schnauze, ein buschiges Fell, im Gesicht wie eine Maske und ist weder Wildschwein noch Affe, lebt aber auf Bäumen.
„Er hat noch einmal zu heftig getrunken“, bekommen wir zu hören. Ansonsten scheint der Familienfrieden aber weitestgehend wieder hergestellt. Zumindest so weit wir es beurteilen können.

Auch Martin hat bessere Laune, obwohl seine Situation weiterhin beschissen ist.
Um finanziell voranzukommen, hat er beschlossen in den USA zu arbeiten. Er hat eine seiner beiden Parzelle verkauft, auf der anderen keinen Mais angesät. Dann hat ihn jedoch die Gemeinde überredet zu bleiben: Der Zivilprozess um die Entschädigung würde weiter gehen, seine Aussagen und Anwesenheit dafür wären besonders wichtig. Nun hat er keinen Mais und kein Geld und keine Aussichten, wie sich das ändern soll.
„Könnt ihr mir vielleicht helfen, nach der Aerztin zu suchen, die mein Gesicht repariert hat?“ fragt er uns. Er hofft, sie könne ihm vielleicht helfen, wenn er in den USA ist um Arbeit zu suchen. Es gehe ihm nun wieder besser, er habe wieder das Gefühl, dass seine Arbeit und sein Kampf Sinn mache.

Klar wird leider auch: Er würde nun doch sehr gerne mit auf die Reise kommen, als einer der vier Bewohner mit denen wir den Film in Rabinal, Coban, im Quiche und in der Hauptstadt vorstellen werden. Gefrustet über seine Situation hatte er jeden Nominierungsversuch in der entsprechenden Sitzung abgewiegelt.