Archive for the ‘Rabinal’ Category

Glocken rufen

Dienstag, März 3rd, 2009

Rabinal. Alle werden in Auto gepackt, um vom Besprechungsort zur Vorführung zu fahren. Bis auf drei. Die ausgerechnet wissen weder einzeln noch zusammen wissen, wohin sie eigentlich müssen. Dass einer von Ihnen kein Spanisch kann, das macht die Sache auch nicht besser. Dass dann ausgerechnet ich mich traue einen Passanten anzusprechen, um nach dem Weg zu fragen, dann aber wieder doch.

Als wir ankommen läuten die Kirchenglocken. Um die Gläubigen zum Gebet zu rufen. In gewisser Weise. Nur das es keine Cineasten sind, die kommen, sondern Genozidüberlebende. Die sich ansehen wollen, fühlen, wie andere es überlebt haben: Die allgegenwärtige Vergangenheit.
Als wir anfangen, ist die Kirche voll, darunter wieder viele Kinder, Mütter mit Säuglingen und ganz kleinen sind es dann auch, die zur Hälfte etwa gehen, wir sind viel zu spät dran. Und dann gehen noch ein mal ein paar, als die Exhumierungsszene beginnt. Der Typ im Rapper5-Style, original mit weißem Feinripp und Wollmütze bleibt. So einen gab es auch schon in Aurora.
Kaum ist der Abspann zu Ende, ist die Kirche dann leer. Wir sollen uns nichts denken. Es wäre einfach schon zu spät gewesen. Na ja. Wir haben ja auch etwa 3 bis 4 Stunden nach der ursprünglich ausgemachten Zeit angefangen. Planungen in Guatemala…

Aufarbeitung 2009

Sonntag, März 1st, 2009

Rabinal. Wir sitzen in einem Innenhof. Die Organisation, die uns eingeladen hat, berichtet von ihren Bemühungen, die Massaker juristisch aufzuarbeiten.

Wichtig sei, dass vor Ort gearbeitet würde, als Zusammenschluss der Opfer selbst. Man sei nicht so sehr daran interessiert, nur die Täter an der Spitze zu bekommen, wie es die Organisationen in der Hauptstadt nun vor allem täten. Wichtig sei die Veränderung des sozialen Klimas vor Ort, und so habe man es zum Beispiel inzwischen geschafft, dass auch die Täter Angst haben müssten, auch wenn es noch nicht gelungen sei, einen der Militärs ins Gefängnis zu bringen. Gegen einen Offizier habe man einen Haftbefehl erreicht, da der Mann jedoch als Berater des vorherigen und jetzigen Präsidenten arbeite, werde der einfach nicht ausgeführt. Und es seinen aber schon etliche der Zivilpatrouilleros hinter Gitter, und man habe es geschafft, dass Ríos Mont seinen Wahlkampf hier nicht abhalten konnte. Das vor allem sei ein wichtiges Symbol und ein Moment der Veränderung gewesen: Ausgerechnet am Tag, als 28 Exhumierte mit Würde beerdigt werden sollten, wollte er hier reden, und sie mobilisierten so viele Menschen und so viele seien gefolgt, dass er die Stadt verlassen musste. Und seitdem seien die Dinge anders. Auch wenn die Frau, die neben ihm sitzt, nicht zur Filmvorführung kommen wird, weil sie in einem Gebiet wohnt, in dem die Machtverhältnisse noch anders sind. Zu dunkel sollte der Rückweg da nicht sein. (mehr …)

Rabinal in den 90ern

Sonntag, März 1st, 2009

Rabinal. Wir kommen im selben Hotel an, wie damals vor dreizehn Jahren. Ich kann nur hoffen, dass die Nacht dieses Mal besser wird.
Damals schleppten wir gerade die Rucksäcke in den Innenhof, als ein US-Amerikaner uns begrüßte. Auf die Frage, wer denn wir wohl wären, antworteten wir: „Touristen“. Lautes Lachen. „No one coming here is a tourist, so you probably work for a peace-organization“.
Womit er recht hatte. Fast. Andrea arbeitete bei PBI. Mein ganzer Aufenthalt in Guatemala kam mir im Nachhinein jedoch vor, wie eine Art Massengrab- und Massakertourismus. Und in Rabinal wollten wir zu einer Ausgrabungsstelle. Eine Exhumierung in Sichtweise der Militärgarnison. Auf deren Grund ein nicht kleiner Teil der rund 5.000 Toten vermutet wurde. Außerdem wollten wir Aktivisten besuchen. (mehr …)