Archive for the ‘Hauptstadt’ Category

Sicherheit reichlich absurd

Sonntag, März 8th, 2009

Ich hatte vergessen, dass es in dieser Stadt um diese Uhrzeit nicht allgemein üblich ist, sich außerhalb der eigenen Wände aufzuhalten; und das nicht nur dann, wenn mann oder frau wie Estela arbeitsbedingt mit regelmäßigen Todesdrohungen lebt (sie kam etwas später zur Vorführung und ging ging mit dieser Erklärung etwas früher).
„Andreas fuhr da vorn um die Ecke rum und plötzlich gab es laute Schreie und seither ist er nicht wieder aufgetaucht“. Das erzählte Nati, als wir nach Abbau und letzten Gesprächen aus der Lobby des Hotels gehen. Sie sollte seit mindestens zwanzig Minuten bei Andreas im blauen Jeep sitzen. Zusammen mit Donna Manuela. Die steht jetzt neben ihr.

Jetzt watschel ich also wie ein Pinguin in seiner Gruppe der erwähnten Ecke entgegen. (mehr …)

Staatsakt

Sonntag, März 8th, 2009

„Also für die SEPAZ-Vorführung braucht ihr euch keine Sorgen zu machen; wir kümmern uns da um die Technik, bringen auch einen extra guten Beamer mit“, hatte uns Poncho noch am Montag gesagt.

Jetzt fangen wir – wie wohl einfach in diesem Land üblich – wieder später an. Doch das Warten auf jene, die noch im vorangegangenem Seminar waren, es hat sich gelohnt. Die Stuhlreihen im Saal sind gut voll. Jetzt geht das Licht aus. Zum zweiten Mal. Beim ersten Mal gab es wegen einem Kabel Probleme mit dem Bild. Andrea sprang als Pausenclown ein. Souverän. Szenenapplaus. Jetzt also geht es wirklich los. (mehr …)

andere Welt

Dienstag, März 3rd, 2009

Porzellantassengeklapper. Dazu Nati: „Immer wieder habe ich Angst, immer wieder, dass wir angeklagt werden, dass wir Schuld sind; selber Schuld sind, dass wir es seien, welche die Soldaten umgebracht haben.“
Wir sitzen im Büro des Direktors der Deutschen Schule. Nati bedankt sich mit einem emotionalen Ausbruch dafür, dass sie hier das Gefühl von Sicherheit hat. Hier in einer Welt, die so fast gar nichts mit der ihren zu tun haben scheint. Sie spricht von ihren Alpträumen und ihrem Gefühl immer wieder in einer Welt aufzuwachen, in der nicht die Täter angeklagt werden, sondern sie und die ihren.

Die Vorführung vorhin war gut. Rund 150 Schüler saßen in dem Raum und erinnern mich an eine Vorführung zu meiner Schulzeit. „Ghandi“. Ein privatmythologisch vielleicht nicht zu unterschätzendes Ereignis.
Andrea arbeitete später bei einer Ghandi-Nachfolge-Organisation. Weswegen sie dann im Krankenhaus sitzt, im San Juan de Dios, neben den Verletzten und weil die Befürchtung besteht, dass sie als potentielle Zeugen des Xáman-Massakers das Krankenhaus nicht überleben könnten. Eine Angst, welche die immer wieder auftauchenden Männer mit den Sonnenbrillen immer wieder neu anfachen.
Wir hatten den Film damals in einem Kino gesehen. Und das Gefühl auf eine Seite gezogen worden zu sein, klar, es war in gewisser Weise eine Manipulation. Aber durchaus eine, die auch unserer Film erreichen soll: Emotionales Miterleben.

Vor mir in der ersten Reihe: Eine Schülerin hält sich immer wieder die Augen zu, schmiegt sich mehr und mehr an ihre Nachbarin an. (mehr …)

Staatsakt

Samstag, Februar 28th, 2009

Dass es dem Frieden geht, wie es ihm geht, es ist nicht verwunderlich, wenn die Arbeit seines Sekretariats die Grundlage wäre. SEPAZ (Secretariate de Paz) hat jedenfalls bisher noch immer keinen Raum für die Filmvorführung sicher. Selbst Tag und Uhrzeit scheinen je nach Ansprechperson noch variabel. Und das, obwohl die Vorführung immerhin Teil eines offiziellen Programms rund um einen Staatsakt ist: Der heutige Präsident soll als erster öffentlich formulieren, dass es in Guatemala einen Genozid gegeben hat. Bin ich kleinlich, dass ich mir angesichts dieser Dimension ein wenig Sorgen auch um die Qualität unserer Vorführung mache?

Mit Nati zusammen witzeln wir: Wieso gehen sie nicht einfach auf dem großen Platz vor dem Palast, wenn es schon so schwierig ist, in den Palast hineinzukommen?

Für real umsetzbar scheint diese Idee aber niemand zu halten; obwohl es lediglich unsere ausgeliehene Technik und ein langes Stromkabel bräuchte. Doch die ZONE 1, in der die Regierungsgebäude liegen, gilt nachts als eine der unsichersten der Stadt; von den etablierten kommt hier nach Dunkelheit niemand her, parkt niemand sein Auto in der Gegend. Früher war es die Geheimpolizei, vor der man sich in Acht zu nehmen hatte. Heute ist es die allgemeine Kriminalität.

In meinem Kopf hallt die Idee noch einige Zeit weiter. Ein Open Air. Auf einem großen, recht malerischen Platz, mitten in der Stadt. Und würde ein solches Event nicht vielleicht eine kurze Auszeit von den alltäglichen sozialen Kämpfen, vor allem der Gewalt bewirken?