Archive for the ‘Filmemachen’ Category

Essens- und Lebensrythmen

Donnerstag, März 12th, 2009

Dieses Land und ich werden wohl nur eingeschränkt Freunde werden können; so leid es mir tut: Ich kann keine Tortillas mehr sehen! Sie schmecken mir nach Papier und nach Pappe. Da hilft auf Dauer kein frischer grüner Chilli, kein roter und auch keine extra scharfe Paste oder mit was sie sonst so eingestrichen werden können. Tun auch „unsere Dörfler“ reichlich. „Haben wir halt Gastritis, aber das muss sein“, wurde mal gewitzelt. Trotzdem, die geschmackliche Grundierung bleibt. Wobei ich ja sagen muss, dass es entgegen der Erwartung – auf Basis früherer Erfahrungen – tatsächlich nur ein, maximal zwei Mal Bohnen mit Tortilla gab (sonst war das für gewöhnlich zu Mittag, Abendessen und Frühstück).

Ob es an allgemein größerer Nahrungsvielfalt lag? Auch größerem Wohlstand vielleicht? Ich erinnere mich heute noch an die Einladung von Martin, während des Drehs. (mehr …)

andere Welt

Dienstag, März 3rd, 2009

Porzellantassengeklapper. Dazu Nati: „Immer wieder habe ich Angst, immer wieder, dass wir angeklagt werden, dass wir Schuld sind; selber Schuld sind, dass wir es seien, welche die Soldaten umgebracht haben.“
Wir sitzen im Büro des Direktors der Deutschen Schule. Nati bedankt sich mit einem emotionalen Ausbruch dafür, dass sie hier das Gefühl von Sicherheit hat. Hier in einer Welt, die so fast gar nichts mit der ihren zu tun haben scheint. Sie spricht von ihren Alpträumen und ihrem Gefühl immer wieder in einer Welt aufzuwachen, in der nicht die Täter angeklagt werden, sondern sie und die ihren.

Die Vorführung vorhin war gut. Rund 150 Schüler saßen in dem Raum und erinnern mich an eine Vorführung zu meiner Schulzeit. „Ghandi“. Ein privatmythologisch vielleicht nicht zu unterschätzendes Ereignis.
Andrea arbeitete später bei einer Ghandi-Nachfolge-Organisation. Weswegen sie dann im Krankenhaus sitzt, im San Juan de Dios, neben den Verletzten und weil die Befürchtung besteht, dass sie als potentielle Zeugen des Xáman-Massakers das Krankenhaus nicht überleben könnten. Eine Angst, welche die immer wieder auftauchenden Männer mit den Sonnenbrillen immer wieder neu anfachen.
Wir hatten den Film damals in einem Kino gesehen. Und das Gefühl auf eine Seite gezogen worden zu sein, klar, es war in gewisser Weise eine Manipulation. Aber durchaus eine, die auch unserer Film erreichen soll: Emotionales Miterleben.

Vor mir in der ersten Reihe: Eine Schülerin hält sich immer wieder die Augen zu, schmiegt sich mehr und mehr an ihre Nachbarin an. (mehr …)