Archive for the ‘Aufarbeitung’ Category

Multiplikatoren

Freitag, März 13th, 2009

Der Verteidigungsminister bekommt Drohungen, manchen passt wohl nicht, dass er auch nur zwei der Pläne herausgerückt hat. Wofür er von anderer Seite nun mit einer Anklage rechnen muss, da er ja einer höchstrichterlichen Anordnung nicht nachgekommen sei. Außerdem heißt es nun, dass die Originale vernichtet seien. Und die braucht es wohl, damit sie vor Gericht eine Rolle spielen können. Der Inhalt jedenfalls ist bekannt. Seit längerem schon. Vom Richter, jenem, der die Annahme verweigerte, konnte man zwischenzeitlich als Begründung lesen: Beim Verteidigungsminister seien sie sicherer aufgehoben.

Wir jedenfalls sind inzwischen im Quiché angekommen. Für die vielleicht letzte Vorführung. Die Katechetenvereinigung hatte uns Zugang zu Material gegeben, welches nun auch im Film zu sehen ist. Aufnahmen beginnend nur wenige Stunden nach dem Massaker. Die Fahrt war ein etwas elendes Hin- und Hergeschaukel mit dem Bus auf seiner Strecke die Täler hinauf und die Berge hinunter. Und das Hotel, in dem wir aufschlagen, hält uns wohl für Pestizid resistent: (mehr …)

Pläne

Donnerstag, März 12th, 2009

Nun hat der Präsdident es also offiziell ausgesprochen: In Guatemala gab es einen Genozid. Und er hat verkündet, dass dem zuständigen Richter vom Verteidigungsminister vier Pläne aus den Archiven des Militär übergeben wurden, Pläne, in denen die Massaker-Strategie der 80er nieder gelegt wurde; beweiskräftig und stafrechtlich relevant, so die Hoffnung vieler, vor allem mit Blick auf Rios Montt.
Das war gestern, heute steht in der Zeitung, dass der zuständige Richter die Annahme verweigerte. Was ihm übergeben werden sollte, waren nur zwei Pläne; ausgerechnet der die Amtszeit von Rios Montt Betreffende fehlte.

Staatsakt

Sonntag, März 8th, 2009

„Also für die SEPAZ-Vorführung braucht ihr euch keine Sorgen zu machen; wir kümmern uns da um die Technik, bringen auch einen extra guten Beamer mit“, hatte uns Poncho noch am Montag gesagt.

Jetzt fangen wir – wie wohl einfach in diesem Land üblich – wieder später an. Doch das Warten auf jene, die noch im vorangegangenem Seminar waren, es hat sich gelohnt. Die Stuhlreihen im Saal sind gut voll. Jetzt geht das Licht aus. Zum zweiten Mal. Beim ersten Mal gab es wegen einem Kabel Probleme mit dem Bild. Andrea sprang als Pausenclown ein. Souverän. Szenenapplaus. Jetzt also geht es wirklich los. (mehr …)

andere Welt

Dienstag, März 3rd, 2009

Porzellantassengeklapper. Dazu Nati: „Immer wieder habe ich Angst, immer wieder, dass wir angeklagt werden, dass wir Schuld sind; selber Schuld sind, dass wir es seien, welche die Soldaten umgebracht haben.“
Wir sitzen im Büro des Direktors der Deutschen Schule. Nati bedankt sich mit einem emotionalen Ausbruch dafür, dass sie hier das Gefühl von Sicherheit hat. Hier in einer Welt, die so fast gar nichts mit der ihren zu tun haben scheint. Sie spricht von ihren Alpträumen und ihrem Gefühl immer wieder in einer Welt aufzuwachen, in der nicht die Täter angeklagt werden, sondern sie und die ihren.

Die Vorführung vorhin war gut. Rund 150 Schüler saßen in dem Raum und erinnern mich an eine Vorführung zu meiner Schulzeit. „Ghandi“. Ein privatmythologisch vielleicht nicht zu unterschätzendes Ereignis.
Andrea arbeitete später bei einer Ghandi-Nachfolge-Organisation. Weswegen sie dann im Krankenhaus sitzt, im San Juan de Dios, neben den Verletzten und weil die Befürchtung besteht, dass sie als potentielle Zeugen des Xáman-Massakers das Krankenhaus nicht überleben könnten. Eine Angst, welche die immer wieder auftauchenden Männer mit den Sonnenbrillen immer wieder neu anfachen.
Wir hatten den Film damals in einem Kino gesehen. Und das Gefühl auf eine Seite gezogen worden zu sein, klar, es war in gewisser Weise eine Manipulation. Aber durchaus eine, die auch unserer Film erreichen soll: Emotionales Miterleben.

Vor mir in der ersten Reihe: Eine Schülerin hält sich immer wieder die Augen zu, schmiegt sich mehr und mehr an ihre Nachbarin an. (mehr …)

Verkettung

Dienstag, März 3rd, 2009

Nati, Donna Manuela und Andrea hatten Alpträume. Bei den Jungs, Efra und Eliseo, scheint alles ruhig gewesen zu sein, zumindest soweit ich es vom schlaflosen Teil meiner Nacht her beurteilen kann. Nati erzählt, dass sie den Film bisher vor allem unter dem Aspekt Angst und Erinnerung angesehen hat. Nach der Vorrede in Rabinal habe sie nun aber vor allem auf die Befehlsketten geachtet. Ob es eine solche wirklich gab? Die direkten Vorgesetzten von Lacan starben überraschend schnell eines natürlichen Todes: Inzwischen gibt es angeblich sogar offizielle Totenscheine, aber auch immer noch den Hinweis, dass einer der beiden leben gesehen wurde. Ob das ganze ein Anschlag auf den Friedensprozess war, eine voreilige Aktion eines Karrieristen, ein „Unfall“?

Aufarbeitung 2009

Sonntag, März 1st, 2009

Rabinal. Wir sitzen in einem Innenhof. Die Organisation, die uns eingeladen hat, berichtet von ihren Bemühungen, die Massaker juristisch aufzuarbeiten.

Wichtig sei, dass vor Ort gearbeitet würde, als Zusammenschluss der Opfer selbst. Man sei nicht so sehr daran interessiert, nur die Täter an der Spitze zu bekommen, wie es die Organisationen in der Hauptstadt nun vor allem täten. Wichtig sei die Veränderung des sozialen Klimas vor Ort, und so habe man es zum Beispiel inzwischen geschafft, dass auch die Täter Angst haben müssten, auch wenn es noch nicht gelungen sei, einen der Militärs ins Gefängnis zu bringen. Gegen einen Offizier habe man einen Haftbefehl erreicht, da der Mann jedoch als Berater des vorherigen und jetzigen Präsidenten arbeite, werde der einfach nicht ausgeführt. Und es seinen aber schon etliche der Zivilpatrouilleros hinter Gitter, und man habe es geschafft, dass Ríos Mont seinen Wahlkampf hier nicht abhalten konnte. Das vor allem sei ein wichtiges Symbol und ein Moment der Veränderung gewesen: Ausgerechnet am Tag, als 28 Exhumierte mit Würde beerdigt werden sollten, wollte er hier reden, und sie mobilisierten so viele Menschen und so viele seien gefolgt, dass er die Stadt verlassen musste. Und seitdem seien die Dinge anders. Auch wenn die Frau, die neben ihm sitzt, nicht zur Filmvorführung kommen wird, weil sie in einem Gebiet wohnt, in dem die Machtverhältnisse noch anders sind. Zu dunkel sollte der Rückweg da nicht sein. (mehr …)