Multiplikatoren

Der Verteidigungsminister bekommt Drohungen, manchen passt wohl nicht, dass er auch nur zwei der Pläne herausgerückt hat. Wofür er von anderer Seite nun mit einer Anklage rechnen muss, da er ja einer höchstrichterlichen Anordnung nicht nachgekommen sei. Außerdem heißt es nun, dass die Originale vernichtet seien. Und die braucht es wohl, damit sie vor Gericht eine Rolle spielen können. Der Inhalt jedenfalls ist bekannt. Seit längerem schon. Vom Richter, jenem, der die Annahme verweigerte, konnte man zwischenzeitlich als Begründung lesen: Beim Verteidigungsminister seien sie sicherer aufgehoben.

Wir jedenfalls sind inzwischen im Quiché angekommen. Für die vielleicht letzte Vorführung. Die Katechetenvereinigung hatte uns Zugang zu Material gegeben, welches nun auch im Film zu sehen ist. Aufnahmen beginnend nur wenige Stunden nach dem Massaker. Die Fahrt war ein etwas elendes Hin- und Hergeschaukel mit dem Bus auf seiner Strecke die Täler hinauf und die Berge hinunter. Und das Hotel, in dem wir aufschlagen, hält uns wohl für Pestizid resistent: Die Luft in dem Zimmer, das wir zuerst angeboten bekommen, ist zum Greifen dick, so wie anderswo die Kakerlaken. Und irgendwie passt es, dass ein Polizist daherkommt, als wir das neue verlassen. Er muss jetzt bei uns ganz, ganz dringend auf Toilette.

Nun also eine Vorführung vor zwanzig Leuten. Was wenig klingt. Jeder bzw. jede einzelne ist jedoch hier, stellvertretend für eine Organisation. Um den Film zu sehen, haben manche eine halbe Tagesreise auf sich genommen. Auch jemand von der Presseagentur ist da. Ein Hinweis mehr, dass die SEPAZ-Veranstaltung wohl von etlichen der Volksorganisationen gemieden wurde, nicht nur vom deutschen Botschafter. Na ja, sein Vorgänger war ja auch schon beim Dreh recht zurückhaltend mit seiner Euphorie ob unseres Projektes, speziell unsere Idee mit den hinter schwedischen Gardinen befindlichen Soldaten zu sprechen fand er bedenklich: „Im Gefängnis haben ja die Gefangenen die Macht.“ (Ob es da einen Zusammenhang gibt, dass jemand von der schwedischen Botschaft da war… Kalauer, Kalauer).

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