Sicherheit reichlich absurd

Ich hatte vergessen, dass es in dieser Stadt um diese Uhrzeit nicht allgemein üblich ist, sich außerhalb der eigenen Wände aufzuhalten; und das nicht nur dann, wenn mann oder frau wie Estela arbeitsbedingt mit regelmäßigen Todesdrohungen lebt (sie kam etwas später zur Vorführung und ging ging mit dieser Erklärung etwas früher).
„Andreas fuhr da vorn um die Ecke rum und plötzlich gab es laute Schreie und seither ist er nicht wieder aufgetaucht“. Das erzählte Nati, als wir nach Abbau und letzten Gesprächen aus der Lobby des Hotels gehen. Sie sollte seit mindestens zwanzig Minuten bei Andreas im blauen Jeep sitzen. Zusammen mit Donna Manuela. Die steht jetzt neben ihr.

Jetzt watschel ich also wie ein Pinguin in seiner Gruppe der erwähnten Ecke entgegen. Kommt mir reichlich absurd vor. Schließlich habe ich kurz zuvor alleine geguckt. Und vor Veranstaltungsbeginn bin ich um genau diese Ecke gegangen, in der Sonne auf der Suche nach einem offenen Comidor.

Zuerst fand ich nur leere Tanzclubs, dann endlich einen Laden, bei dem es ums Essen allein zu gehen scheint. Eine Art Fast-Food-Bestell-Theke, zur Straße hin offen, mit einem Gastraum nach hinten und ein paar Stühlen ein paar Stufen oberhalb des Gehweges. Vom Angebot auf der Tafel gibt es allerdings nichts, nur noch die zwei Sachen, die mir die Frau hinter dem Tresen nun anbietet. Was es ist, das verstehe ich allerdings nicht. Nehme das zweite. Und eine Cola dazu bitte. Ich setze mich, am Tisch neben an zwei Männer, der eine redet mit dem anderen, fast ununterbrochen und irgendwie geschäftsmäßig. Das Ganze kommt mir vor wie eine Szene aus den Sopranos. Die fette Uhr am Handgelenk da und irgendwie ein Look der nach Geld aussieht, auch wenn ich nicht recht weiß, wieso. Die Frau bringt mein Essen und setzt sich zu den beiden. Ich sehe auf den Happen Fleisch. Und meine Cola. Dafür gibt es reichlich Tortillas, auch wenn ich keine mehr sehen kann. Außerdem muss ich mich beeilen, ich soll rechtzeitig wieder da sein, was gefühltermaßen bald ist, ich habe keine Uhrzeit. Eine Frau läuft mit einer Plastiktüte über die Straße, sie kommt zu mir. Stellt eine Cola auf den Tisch und sich hinter den Tresen. Zwei Männer grüßen die beiden vorne und gehen in den Raum nach hinten. Bedienung folgt keine.

Jetzt gehe ich wieder an diesem Laden vorbei. Er hat zu, dafür wohl gegenüber ein Nachtklub auf. Jedenfalls stehen vier Männer vor einer schweren Tür, darüber ein farbiges Neonlicht. In den Händen halten sie etwas, dass ich von meiner Kino- und Fernseherfahrung nach als Pumpgun bezeichnen würde. Ein großer schwarz-lackierter Geländewagen fährt vor. Einer der Männer kommt heran gelaufen. Mit der Taschenlampe weist er den Wagen zum Parken ein. Wer im Auto sitzt kann ich nicht sehen. Die Fensterscheiben sind schwarz verspiegelt.
Eigentlich ist es doch Blödsinn, dass wir uns alle gemeinsam von der Lobby wegbewegen, meinte ich. „Was wenn Andreas dann wieder hier ankommt und niemanden von uns sieht“. Gehör habe ich mir damit aber nicht verschafft. Auch nicht damit, dass ich sage: „Da war nichts besonderes“. Nach Natis Worten bin ich nämlich einfach zur Ecke gegangen und habe in die Straße hinein gesehen. Bis zur Kreuzung unten nichts besonderes zu sehen. Und jetzt laufe ich hier herum und habe allmählich tatsächlich ein mulmiges Gefühl und tatsächlich meldet sich mein Magen und sogar mal mit etwas anderem, als den üblichen Verdauungskommentaren. Absurd.

Quietschende Reifen. „Was macht ihr denn hier?“ –“Wir haben nach dir gesucht?“ – „Woher wusstet ihr denn, dass Nati und Donna Manuela nicht bei mir im Wagen sitzen?“

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