Reiseentspannung

Am Donnerstag also wird der Präsident auf dem Platz vor dem Präsidentenpalast sagen, dass es in Guatemala einen Genozid gegeben hat. So wie es in dem Bericht der Wahrheitskommission steht. Diesen hatte sein Vorgänger damals nicht offiziell annehmen wollen. Die Vorführung unseres Filmes hat nun auch einen Ort. Und eine Zeit. Auch wenn die auf den Einladungen genannte noch mal eine andere ist. Na ja. Schade auch, dass wir es nicht in den Präsidentenpalast geschafft haben. Und nicht ins Nationaltheater. Wir werden in einem noblen Hotel sein. Dort,.wo vor nicht nicht allzu langer Zeit Frau in Tracht abgewiesen wurde. Sie prozessierte und bekam Recht. Nun also holt sich das Hotel die mit dem Grundsatzurteil verbundene hohe Entschädigungszahlung wieder: In dem es seine Räume vermietet; vor allem an solche Veranstalter, die den Staat entsprechend verändern wollen. Oder macht es keinen Sinn, das Ganze so zu sehen?

Wir sitzen in den Räumen von SEPAZ. Um die Versprochenen Schecks abzuholen, das Geld für die Reise unserer BegleiterInnen aus dem Dorf. Als die ausgehändigt sind, entspannen sich die Gesichter. Die Verunsicherung und das einigermaßen absurdes Rennen darum, unsere Rundreise möglichst billig zu gestalten, haben nun also eine Art Ende.

Absurd, weil Frühstück, Mittag- und Abendessen durchaus für rund 10 Quetzales (etwa 1,- Euro) zu haben sind. Und Übernachtungen auch schon für Dreißig. Die von SEPAZ letztlich bewilligten 160 Quetzales je Tag und Person (ursprünglich wurde das vierfache versprochen) machen also einen ausreichenden Eindruck. Nur: Das Taxi kostet etwa 100 Quetzales, wir sind zu sechst und Nachts in Gegenden unterwegs, die als „No go“ eingestuft werden. Dann die Getränke, dann die Bustickets über Land und je nach Sicherheitslage brauchen wir vielleicht ein Hotel für 70 Quetzales. Und nicht alle sind mit einem mageren Hühnerschenkel und ein paar Tortillas je Mahlzeit ausreichend versorgt. Nicht zu reden davon, dass zu Hause die Arbeitskraft und Zeit fehlt. Weswegen wir Nati, Eliseo, Donna Manuela und Efra eine Aufwandsentschädigung zahlen; das Geld dafür kommt vom Diakonischen Werk, welches unsere Reise bezahlt. Nur: Diese Summe ist insgesamt dann auch wieder so knapp, dass wir je nach Rechnung in Gefahr geraten, privat drauf zu legen. Bei Null Verdienst in den vier Wochen tut schnell jeder Euro weh.

Das Ganze jedenfalls ist eine Art Klein-Klein, die richtig nerven kann. Wir reden hier über monatliche Einkommen von im Schnitt kaum mehr als 1.500 Quetzales. Davon müssen dann die Schulsachen für die Kinder bezahlt werden und Strom und sonst alles, was nicht auf dem Feld oder im Urwald wächst. Manchmal also das Saatgut. Je nach Wetter- und/oder privater Lage wachsen sich so kleinste Unterschied oder Entscheidungen zu Arm oder Reich aus.

Mir fällt da zum Beispiel noch das öfter gehörte Problem mit den Geburtsurkunden ein. Wer als Opfer der Massaker in den 80ern eine Entschädigungszahlung will, der oder die muss seine Identität belegen. Kopien etc. können da schon mal rund 800 Quetzales ergeben. Nur: Noch öfter sind die entsprechenden Unterlagen vernichtet oder verloren. Dann müssen zwei Personen her, der glaubwürdig bezeugen: Ja, diese Person hat damals dort gelebt. Ein finanzieller und zeitlicher Aufwand und vor allem für jene belastend, die keine Großfamilie haben. Aber egal jetzt. Die Angst, dass SEPAZ nicht zahlt, die ist erst mal ausgestanden, die Stimmung jedenfalls deutlich besser (jetzt müssen nur noch die geforderten Beglaubigungen und Berichte am Ende auch passen).

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.