Aufarbeitung 2009

Rabinal. Wir sitzen in einem Innenhof. Die Organisation, die uns eingeladen hat, berichtet von ihren Bemühungen, die Massaker juristisch aufzuarbeiten.

Wichtig sei, dass vor Ort gearbeitet würde, als Zusammenschluss der Opfer selbst. Man sei nicht so sehr daran interessiert, nur die Täter an der Spitze zu bekommen, wie es die Organisationen in der Hauptstadt nun vor allem täten. Wichtig sei die Veränderung des sozialen Klimas vor Ort, und so habe man es zum Beispiel inzwischen geschafft, dass auch die Täter Angst haben müssten, auch wenn es noch nicht gelungen sei, einen der Militärs ins Gefängnis zu bringen. Gegen einen Offizier habe man einen Haftbefehl erreicht, da der Mann jedoch als Berater des vorherigen und jetzigen Präsidenten arbeite, werde der einfach nicht ausgeführt. Und es seinen aber schon etliche der Zivilpatrouilleros hinter Gitter, und man habe es geschafft, dass Ríos Mont seinen Wahlkampf hier nicht abhalten konnte. Das vor allem sei ein wichtiges Symbol und ein Moment der Veränderung gewesen: Ausgerechnet am Tag, als 28 Exhumierte mit Würde beerdigt werden sollten, wollte er hier reden, und sie mobilisierten so viele Menschen und so viele seien gefolgt, dass er die Stadt verlassen musste. Und seitdem seien die Dinge anders. Auch wenn die Frau, die neben ihm sitzt, nicht zur Filmvorführung kommen wird, weil sie in einem Gebiet wohnt, in dem die Machtverhältnisse noch anders sind. Zu dunkel sollte der Rückweg da nicht sein.
Es sei kein Grund zu größerer Besorgnis, antwortet er auf Natis Frage, und man danke der Gemeinde AURORA für das Vorbild, und hoffe vielleicht auf einen Austausch von Erfahrungen. Direkt, da die Bemühungen im Kontakt mit den Organisationen in der Hauptstadt zu einem runden Tisch zu kommen bisher gescheitert seien. Da wolle wohl jeder sein Wissen, wie man es schaffe Militärs ins Gefängnis zu bringen, für sich behalten, zumindest habe man hier den Eindruck manchmal.

Danach gibt es leckere Tamales und eine Coca. Dann geht es zur Kirche von Pakusch, einer der Mustersiedlungen, in denen die Überlebenden von den Militärs angesiedelt wurden. Vor dreizehn Jahren war ich schon mal dort. Die lagerartige Anordnung hatte mich an ein KZ erinnert, die Militärgarnison lag direkt daneben, von den Türmen her ließ sich alles einsehen.

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