Archive for Februar, 2009

Affectados

Freitag, Februar 27th, 2009

Die erste Vorführung nicht im Familienkreis ist die für die Gruppe der Affectados. Es sind die vom Massaker 1995 direkt betroffenen, sei es, dass sie verletzt wurden, sei es, dass sie einen Familienangehörigen verloren haben. Rund 70 Menschen sind da, darunter sehr viele kleine Kinder, auch ein paar Jugendliche. Nach der Vorführung gibt es drei Wortmeldungen, drei der Älteren sprechen mit den Tränen kämpfend über die Erfahrung, die sie soeben mit dem Film gemacht haben.

Trauerprozess

Freitag, Februar 27th, 2009

In Deutschland kündigten sich bei Abflug Schnee und 15 Grad minus an. Hier hat es auch 15 Grad; über meiner Wohlfühltemperatur.

Alfonsos Bruder ist wieder da. Nach der Vorführung des Filmes im Kreis der Familie hat er sich heftig betrunken. Und danach mit seiner Frau gestritten. Dann ist er fort. Bis über die Grenze nach Mexiko.

Insgesamt sind die Reaktionen bei Vorführungen für die Protagonisten aber bei weitem nicht so heftig. Vor allem nicht so negativ, wie es eine Zeitlang zu befürchten war. Ein befreundeter Psychologe, der die Gemeinde jahrelang begleitet hat, hatte uns geschrieben: „Ich würde den Film nicht zeigen. Nicht jetzt“.
Seine Befürchtungen gingen allerdings nicht in Richtung der Erinnerungen an das Massaker 1995 oder die Massaker in den 80ern. Auch die Bilder der Leichenschau waren nicht der Grund seiner Besorgnis. „Alfonso führt durch den Film. Ihn so jetzt zu erleben ist zu früh im Trauerprozess“.

Alfonso hatte sich rund zwei Wochen vor dem neuerlichen Jahrestag des Massakers letzten Herbst mit Gift selbst getötet.

nebensachen

Freitag, Februar 27th, 2009

die gastfreunschaft ist beeindruckend. der mangel an touristisch verwertbaren einrichtungen allerdings auch. mich zumindest stresst der toilettengang. reichlich.

zuerst die treppe hoch – blocksteine übereinander gelegt. die erste stufe mit zweien ist stabil, die nächsten wackeln aber schon recht heftig. und dass die nacht eine dunkle ist, das macht es nicht gerade leichter. oder vielleicht doch.

da ist das klo selbst. für breitärsche wie mich zu eng bemessen. von freiem fall in die unter mit befindliche düngerproduktionsstaette kann jedenfalls keine rede sein. schon deshalb nicht weil ich durchfall und blähungen habe. die maden die ich im taschenlampenlicht uber den boden schleichen sehen. na ja. ich war mal angler. außerdem alles nichts, was ein besuch im bad nicht aendern kann.

wenn nur dieser sichtschutzvorhang so nicht wäre: eine auseinander geschnittene plastetüte, festgemacht an einem baum mit grossen, spitzen stacheln. und die steine und holzteile, die einen pfad durch den schlamm bilden, finde ich nicht so recht im dunklen. trittsicher schon gleich gar nicht.

fast schon

Freitag, Februar 27th, 2009

Wir passieren die Brücke über die Schlucht, welche die Stadt fast zweiteilt. Geier zirkeln über den Abhängen. Doch es sind weniger geworden. Fast ist die Mischung aus Mülldeponie und Wellblechsiedlung nun schon ein malerisches Viertel. Einige der Häuser, welche die Felsabstürze überziehen wie Flechten, sind nun zumindest aus Stein. Es ist etwa 6 Uhr Morgens. Wir sind nun unterwegs nach LA AURORA.

Vorführtechniken, Grashüpfer und Transporthindernisse

Samstag, Februar 21st, 2009

Es gab ja noch ein Festival, kein Filmfestival, sondern ein Kunst- und Kulturfestival. Kein Hindernissgrund für etwaige andere dinge also. Vor allem nicht, weil Alfonso Porres mit seinem Wagen kurz hinter der Stadtgrenze liegen geblieben ist. Kein Film rechtzeitig bei der Programmierungskommission. Kein Film auf dem Festival.

„Geht das Bild eigentlich auch größer?“ fragt Andreas. (mehr …)

Ein schönes Geheimnis

Samstag, Februar 21st, 2009

Nachrichten aus Deutschland:
Da hat uns Claudia wohl wieder was Schönes eingebrockt. Buchstäblich.
Und Gisela hat wohl noch richtig umgerührt.

Verständnisse

Samstag, Februar 21st, 2009

„Filme über Ungerechtigkeiten und schlimme Ereignisse sehen wir ja den ganzen Tag, aber daraus etwas zu machen, das etwas über das politische Ereignis hinaus zu erzählen vermag, ist eine große Leistung.“ (mehr …)

Homeland Security

Dienstag, Februar 10th, 2009

Soweit ich sehen konnte, hat sich bisher jede Schlange in die ich mich gestellt habe, langsamer vorwärts bewegt als die anderen.

„Also ihr Visum ist für die Einreise, aber Sie reisen nur durch?“. „Ja“. (mehr …)

Blicke

Dienstag, Februar 10th, 2009

Ich kann nicht anders DOPPELPUNKT ich muss immer wieder hinüber sehen zu der Schönen mit dem Buch auf den Oberschenkeln. Irgendwie erinnert sie mich an … nein, nicht Tilda Swinton … nein … .

Irgendwo auf der Strecke zum Flughafen stellt es sich ein, das Gefühl: Sie erinnert mich an alle meine Lieben seit Jugendzeiten. An alle zugleich und an jede einzelnd. Und auch wenn sie aussieht wie keine von Ihnen, so ist da vor allem eines neu: Die Wiederholung eines Versprechens GEDANKENSTRICH Dass es klappen kann.

Sie klappt das Buch zu und blickt hoch. Mir direkt ins Gesicht. Ich versuche ein Lächeln. Keine Regung. Das Lächeln kommt mir dumm vor. Ich sehe weg.

Vor der Reise

Sonntag, Februar 8th, 2009

1954. A coup dètat supported by the USA ends ten years of «democratic spring» in Guatemala. The country becomes a military dictatorship again.

Morgen also ist es mal wieder so weit: Eine Reise nach Guatemala.
Für mich ist das Land ja immer noch eher mehr „mala“ und eher weniger „guad“. Aber mal sehen: Vielleicht haben sich die Zeiten ja nicht nur im Herzen des Empire verändert, dort, wo jetzt Obama der Erste regiert. Oh erbarme dich unser. (mehr …)