Verständnisse

„Filme über Ungerechtigkeiten und schlimme Ereignisse sehen wir ja den ganzen Tag, aber daraus etwas zu machen, das etwas über das politische Ereignis hinaus zu erzählen vermag, ist eine große Leistung.“
„Also so eine Art Film kann man doch bei so einem Thema nicht machen.“

„emotional sehr berührend“

„Soll ich mich da vielleicht ärgern, dass ich das Massaker nicht kenne, um das es da geht?“

(nach einer Sichtung)
„Was, über hundert Minuten hat der Film, das kam mir kürzer vor?“

„Was sind die denn bürgerlich, da müht der Typ sich die ganze Zeit mit dem Baumstamm ab. Anstatt sich dauernd mit einem solchen Gerichtsprozess herum zu ärgern, sollten die lieber einen Traktor kaufen, dann wäre ihr Leben leichter“.

Mein Magen macht seltsame Dinge, die Dusche nur kaltes Wasser, die Stadt den üblichen Lärm und Dreck, benutztes Toilettenpapier kommt nicht in die Toilette, sondern in den Eimer daneben und mit Andreas sitze ich in seinem blauen Jeep. Wir wollen mit der Regierungsorganisationsvertreterin sprechen und danach mit einem Verleiher, der sich recht enthusiastisch gezeigt hat. Wir kommen ins Gespräch über Reaktionen zum Film. Ich erzähle ihm ein paar.

„Na, da habt ihr ziemlich einen Scheiß gemacht“, kommentiert Andreas mein letztes Zitat. „Wenn jemand so gar nix versteht“. „Ja, das denk ich mir dann auch erst mal“, sage ich und frage mich immer noch, ob das damals nicht ein Witz war.

„Dafür hat er von denen anderen Anwesenden eine drauf bekommen“. Und ich semmel mir innerlich eine drüber, weil ich vor allem auf das bürgerlich reagierte. So verkehrt ist das ja nicht. Die Auroraner wären schließlich gern StaatsBÜRGER. In einem anderen Guatemala.

One Response to “Verständnisse”

  1. gisela sagt:

    Auroraner, das hört sich nach nach einer eigenen Art Weltbürger an… besser noch als Romulaner

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