Vor der Reise

1954. A coup dètat supported by the USA ends ten years of «democratic spring» in Guatemala. The country becomes a military dictatorship again.

Morgen also ist es mal wieder so weit: Eine Reise nach Guatemala.
Für mich ist das Land ja immer noch eher mehr „mala“ und eher weniger „guad“. Aber mal sehen: Vielleicht haben sich die Zeiten ja nicht nur im Herzen des Empire verändert, dort, wo jetzt Obama der Erste regiert. Oh erbarme dich unser.

Die Guatemalteken zumindest haben etwas angeboten, was außer dem ZDF/Kleines Fernsehspiel bisher kaum jemand tun will und wollte, zumindest keines der Festivals, bei denen wir uns beworben hatten. Eine öffentliche Vorführung.

„Die Guatemalteken“. Okay, das ist reichlich hochtrabend formuliert. Da der Film jedoch offiziell im Rahmen einer offiziellen Veranstaltung gezeigt wird, an der auch offiziell die Regierung beziehungsweise einer ihrer offiziellen Organisationen offiziell beteiligt ist – nun ja. Außerdem läuft der Film dann auch noch tatsächlich auf einem Kulturfestival. Das wird veranstaltet am Rande eines bekannten Sees – jenem mit dem Vulkan im Hintergrund. Der Beschreibung nach entsteht bei mir da ein tropischer Mix aus Sonne, Schnee und Cocktails. Ohne uns. Zeitgleich ist nämlich die Premiere im Dorf. Tortillas und Bohnen. Dort werden wir sein.

Hoffe ich zumindest. Ich war nämlich zuerst zu spät dran und dann noch immer zu knapp bei Kasse. Deshalb habe ich als offizielles Dokument nur einen vorläufigen Reisepass beantragt (ist billiger als „der normale, Express“). Kein Problem.
Bis die Frau vom Amt freundlicherweise fragte: „Sie reisen nicht zufällig via USA?“ Äh-Wie-Jetzt-Blick.
„Ich hatte 2006 auch nur einen vorläufigen.“
„2007 wurden die Regeln geändert“

Die Frau vom Amt führte mich zu einem Schreiben an einer Wand. „Ach du …“. Dort las ich in etwa die folgenden Zeilen: „Immer wieder erleben wir aufgeregte Reisende, die nur einen vorläufigen Reisepass haben und auf dem Weg in ihr Reiseland in der USA umsteigen müssen. Seit 2007 …“ „Äh…“ „Haben Sie sich nicht im Internet informiert?“ „Ich habe ein gültiges Journalisten-Visum für die USA.“ „In dem ungültigen Reisepass.“ „Ja…“. „In dem, den wir bei uns in den Akten als offiziell vernichtet führen?“

Egal. Oder wie sie meinte: „Auch wir machen manchmal Fehler“.
Ich habe den Pass mit dem Visum nämlich jetzt unten auf dem Tisch liegen. Und zusätzlich ein Papier vom ZDF, das bestätigt, dass ich offiziell für das Projekt AUF HALBEM WEG ZUM HIMMEL arbeite und das eben auch in den USA tun müsse. Was laut Visastelle ausreicht um durchzureisen.

Wobei MICH das ja skeptisch machen würde. Also wenn ICH Grenzbeamter wäre und mir stünde ein Mann gegen über und der hat ein offizielles Schreiben über einen offiziellen Auftrag in einem Land, in das er offiziell nicht einreisen wird.
„Na ja, Guantanamo wird ja wohl Ende des Jahres aufgelöst“, hatte der freundliche Redakteur vom ZDF noch amüsiert gemeint. „Und nachträglich alles Gute zum Geburtstag“.

Ich habe noch immer nicht gepackt. Zeit wird’s.

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