Klang

März 14th, 2009

Drei Männer stehen hinter dem Instrument, einer Marimba. Jeder von ihnen hat einen bestimmten Abschnitt des Instrumentes, einen Ausschnitt aus dem Tonbereich und eine besondere Aufgabe. Ein Mann bringt die tiefen Platten zum Klingen. Er spielt sich immer gleich wiederholende Muster. Diese beiden Platten und dann dann dann diese beiden und dann diese. Und dann wieder von vorne. Keine Variation. Bei den meisten Liedern zumindest. Der Mann, der die kleinsten, die hohen Platten zum klingen bringt – er scheint recht frei zu sein in dem, was er
spielt. Improvisation. Dazwischen steht ein Mann, der gestresst drein sieht. Immer wieder kuckt er auf die freien Bewegungen des Mannes neben ihm. Keine leichte Aufgabe also, den Erkundungen und Ausblicken so zu folgen, zumindest wenn der Zusammenhalt mit der Basis, den tiefen, grundlegenden Tönen nicht verloren gehen soll.
Himmel und Erde. Und das Leben dazwischen. Vielleicht.

Ich frage mich, ob die festgelegten Teile eine ganz spezifisch besondere Bedeutung haben, eingebettet in einen jeweils besonderen Zusammenhang vielleicht. Musik dann als klar verständliche Sprache. Read the rest of this entry »

Multiplikatoren

März 13th, 2009

Der Verteidigungsminister bekommt Drohungen, manchen passt wohl nicht, dass er auch nur zwei der Pläne herausgerückt hat. Wofür er von anderer Seite nun mit einer Anklage rechnen muss, da er ja einer höchstrichterlichen Anordnung nicht nachgekommen sei. Außerdem heißt es nun, dass die Originale vernichtet seien. Und die braucht es wohl, damit sie vor Gericht eine Rolle spielen können. Der Inhalt jedenfalls ist bekannt. Seit längerem schon. Vom Richter, jenem, der die Annahme verweigerte, konnte man zwischenzeitlich als Begründung lesen: Beim Verteidigungsminister seien sie sicherer aufgehoben.

Wir jedenfalls sind inzwischen im Quiché angekommen. Für die vielleicht letzte Vorführung. Die Katechetenvereinigung hatte uns Zugang zu Material gegeben, welches nun auch im Film zu sehen ist. Aufnahmen beginnend nur wenige Stunden nach dem Massaker. Die Fahrt war ein etwas elendes Hin- und Hergeschaukel mit dem Bus auf seiner Strecke die Täler hinauf und die Berge hinunter. Und das Hotel, in dem wir aufschlagen, hält uns wohl für Pestizid resistent: Read the rest of this entry »

Essens- und Lebensrythmen

März 12th, 2009

Dieses Land und ich werden wohl nur eingeschränkt Freunde werden können; so leid es mir tut: Ich kann keine Tortillas mehr sehen! Sie schmecken mir nach Papier und nach Pappe. Da hilft auf Dauer kein frischer grüner Chilli, kein roter und auch keine extra scharfe Paste oder mit was sie sonst so eingestrichen werden können. Tun auch „unsere Dörfler“ reichlich. „Haben wir halt Gastritis, aber das muss sein“, wurde mal gewitzelt. Trotzdem, die geschmackliche Grundierung bleibt. Wobei ich ja sagen muss, dass es entgegen der Erwartung – auf Basis früherer Erfahrungen – tatsächlich nur ein, maximal zwei Mal Bohnen mit Tortilla gab (sonst war das für gewöhnlich zu Mittag, Abendessen und Frühstück).

Ob es an allgemein größerer Nahrungsvielfalt lag? Auch größerem Wohlstand vielleicht? Ich erinnere mich heute noch an die Einladung von Martin, während des Drehs. Read the rest of this entry »

Pläne

März 12th, 2009

Nun hat der Präsdident es also offiziell ausgesprochen: In Guatemala gab es einen Genozid. Und er hat verkündet, dass dem zuständigen Richter vom Verteidigungsminister vier Pläne aus den Archiven des Militär übergeben wurden, Pläne, in denen die Massaker-Strategie der 80er nieder gelegt wurde; beweiskräftig und stafrechtlich relevant, so die Hoffnung vieler, vor allem mit Blick auf Rios Montt.
Das war gestern, heute steht in der Zeitung, dass der zuständige Richter die Annahme verweigerte. Was ihm übergeben werden sollte, waren nur zwei Pläne; ausgerechnet der die Amtszeit von Rios Montt Betreffende fehlte.

Strom

März 11th, 2009

Kein Spanisch, dafür reichlich Husten – also klemme ich mir die offizielle Zeremonie; was wohl ein Fehler ist, denn die Straße vor dem Internet-Cafe werden samt den beiden Gehsteigen nun schon seit Minuten üppig von einer vorüberziehenden Menschenmenge gefüllt. Sie bewegt sich Richtung Innenstadt und befördert reichlich Transparente und Plakate.

Sicherheit reichlich absurd

März 8th, 2009

Ich hatte vergessen, dass es in dieser Stadt um diese Uhrzeit nicht allgemein üblich ist, sich außerhalb der eigenen Wände aufzuhalten; und das nicht nur dann, wenn mann oder frau wie Estela arbeitsbedingt mit regelmäßigen Todesdrohungen lebt (sie kam etwas später zur Vorführung und ging ging mit dieser Erklärung etwas früher).
„Andreas fuhr da vorn um die Ecke rum und plötzlich gab es laute Schreie und seither ist er nicht wieder aufgetaucht“. Das erzählte Nati, als wir nach Abbau und letzten Gesprächen aus der Lobby des Hotels gehen. Sie sollte seit mindestens zwanzig Minuten bei Andreas im blauen Jeep sitzen. Zusammen mit Donna Manuela. Die steht jetzt neben ihr.

Jetzt watschel ich also wie ein Pinguin in seiner Gruppe der erwähnten Ecke entgegen. Read the rest of this entry »

Staatsakt

März 8th, 2009

„Also für die SEPAZ-Vorführung braucht ihr euch keine Sorgen zu machen; wir kümmern uns da um die Technik, bringen auch einen extra guten Beamer mit“, hatte uns Poncho noch am Montag gesagt.

Jetzt fangen wir – wie wohl einfach in diesem Land üblich – wieder später an. Doch das Warten auf jene, die noch im vorangegangenem Seminar waren, es hat sich gelohnt. Die Stuhlreihen im Saal sind gut voll. Jetzt geht das Licht aus. Zum zweiten Mal. Beim ersten Mal gab es wegen einem Kabel Probleme mit dem Bild. Andrea sprang als Pausenclown ein. Souverän. Szenenapplaus. Jetzt also geht es wirklich los. Read the rest of this entry »

Reiseentspannung

März 6th, 2009

Am Donnerstag also wird der Präsident auf dem Platz vor dem Präsidentenpalast sagen, dass es in Guatemala einen Genozid gegeben hat. So wie es in dem Bericht der Wahrheitskommission steht. Diesen hatte sein Vorgänger damals nicht offiziell annehmen wollen. Die Vorführung unseres Filmes hat nun auch einen Ort. Und eine Zeit. Auch wenn die auf den Einladungen genannte noch mal eine andere ist. Na ja. Schade auch, dass wir es nicht in den Präsidentenpalast geschafft haben. Und nicht ins Nationaltheater. Wir werden in einem noblen Hotel sein. Dort,.wo vor nicht nicht allzu langer Zeit Frau in Tracht abgewiesen wurde. Sie prozessierte und bekam Recht. Nun also holt sich das Hotel die mit dem Grundsatzurteil verbundene hohe Entschädigungszahlung wieder: In dem es seine Räume vermietet; vor allem an solche Veranstalter, die den Staat entsprechend verändern wollen. Oder macht es keinen Sinn, das Ganze so zu sehen?

Wir sitzen in den Räumen von SEPAZ. Um die Versprochenen Schecks abzuholen, das Geld für die Reise unserer BegleiterInnen aus dem Dorf. Als die ausgehändigt sind, entspannen sich die Gesichter. Die Verunsicherung und das einigermaßen absurdes Rennen darum, unsere Rundreise möglichst billig zu gestalten, haben nun also eine Art Ende. Read the rest of this entry »

Schüleraustausch

März 4th, 2009

Ich träume von einer Gesundheitsstation für Aurora und die gesamte Region, damit in Notfällen nicht immer drei Stunden Autofahrt notwendig sind, über eine Hubbelpiste. Auch wenn es inzwischen ja sogar zwei Autos im Dorf gibt. (Efra hat eines und sich in der Hauptstadt sogar eine große Audiobox gekauft für seinen Wagen.) Und ich überlege, was gegen einen Schüleraustausch sprechen würde. So einen, wie ich ihn hatte zum Beispiel, in die USA. Wo ich von meiner Gastfamilie gefragt wurde, ob wir Strom hätten und Supermärkte kennen würden: „Und fließend Wasser?“ Da hatten sich wohl allzu viele Erinnerungen aus dem zerstörten Deutschland, in das der Vater als Soldat eingezogen war, allzu sehr verfestigt. Denkwürdig war auch eine Fahrt durch Philadelphia, bei der mir angesichts der desolaten Siedlungen erklärt wurde, dass käme daher, das Schwarze eben kleinere Gehirne hätten.

Wandel

März 4th, 2009

Es gibt ja so Momente. Nachdem sich mein Verhältnis zu meinem Magen und seinen Aktivitäten entspannt hat, ist nun also Husten und dicke dichte Nase angesagt. Bis ich endlich mitten in der Nacht aufwache und schnäuzen kann. Möglichst leise, damit ich die beiden anderen in unserem 3-Bett-Zimmer nicht wieder wecke. Endlich kommt was raus. Als ich hingucke, sehe ich im Mondlicht allerdings schwarz. Buchstäblich. Aufhören tut das Nasenbluten dann nach einer viertel Rolle verbrauchten Klopapiers.